Mit den Potenzproblemen kommt die Angst

Brustkrebs, Schlaganfall, Migräne – es gibt kaum eine Krankheit, zu der sich nicht schon ein Prominenter bekannt hätte. Doch Erektionsstörungen? In keiner Talk-Show, in keiner Zeitschrift hat darüber ein Politiker, Sportler oder Schauspieler geplaudert. An einer Scheu vor sexuellen Themen liegt dies sicherlich nicht. Es ist eher die unsägliche Scham darüber, versagt zu haben.

Die meisten Männer empfinden Erektionsstörungen als massives Versagen. Die Sexualität ist für sie nicht irgendeine genussreiche Beschäftigung wie gutes Essen oder ein Waldspaziergang: Zusammen mit der Leistungsfähigkeit im Beruf bildet die Potenz die “zwei Säulen der Männlichkeit”, wie der Psychologe Prof. Uwe Hartmann von der Medizinischen Hochschule Hannover es in dem Buch “Erektile Dysfunktion” ausdrückt.

“Die männliche Sexualität ist auf den erigierten Penis fixiert”

Die Sexualität ist für viele Männer identitätsstiftend. “Das ist zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass es in der Öffentlichkeit kaum einen Raum gibt, in dem die männliche Sexualität nicht propagiert wird”, sagt Andreas Bartz, Psychotherapeut am Rezeptfreie Potenzmittel 24 in Berlin. Dies lässt sich bis zu einem gewissen Grad auch über die Sexualität der Frau sagen. Doch stehen bei der Frau nicht so sehr die Genitalien im Mittelpunkt. “Die männliche Sexualität ist dagegen auf den erigierten Penis fixiert. Das zeigt sich z.B. daran, dass beim Mann die Masturbation eher toleriert wird”, meint Bartz.

Männer, die über ihre Gefühle reden, haben weniger Probleme

Wenn die Erektion ausbleibt, ist dies für die meisten Männer ein Schockerlebnis. Es kommt oft zu einem Gefühl der Hilflosigkeit, wie es – sicherlich in extremerer Form – auch Opfer und Zeugen von Gewalttaten erleben. Die daraus resultierende Angst kann sogar in Depressionen münden, meint der Psychologe Bartz. Einige Männer mit Erektionsstörungen ziehen sich gänzlich von Freunden und Familie zurück: Sie gehen nur noch arbeiten und verbringen die übrige Zeit allein zu Haus.

Soweit muss es nicht unbedingt kommen. “Es hängt auch von den Ressourcen des Mannes ab: Wenn er z.B. im Beruf sehr erfolgreich ist, kann er das sexuelle Versagen kompensieren”, meint Bartz. Männer, die mit jemandem über ihre Erektionsstörungen reden können, sind ebenfalls gegen einen Zusammenbruch gefeit. Wer dagegen nie gelernt hat, über seine Gefühle zu sprechen, wird von den Potenzproblemen überwältigt: Er hat keine Hoffnung, dass es für sein Problem einen Ausweg gibt.